Pinterest ist der aufstrebende Star am Social-Media Himmel. Mehr als 19 Millionen Unique Visitors in den USA (compete.com) und über 540 000 (Stand März 2012) in Frankreich ist recht beachtlich für eine Plattform, die erst 2 Jahre auf dem Markt ist (Quelle: Experian Hitwise).
Dahinter steckt zwar auch ein Soziales Netzwerk wie Facebook oder Google+, jedoch wird hier der visuelle Aspekt hervorgehoben. User teilen Fotos und Videos in originellen Collagen. Diese können geteilt, kommentiert, mit „gefällt mir“ markiert und gefollowed werden. Mehr Funktionen gibt es nicht, wodurch diese Plattform wesentlich abgespeckter als seine Social-Media Kollegen erscheint, aber auch übersichtlicher. Das „Time“-Magazin hat Pinterest bereits zu einer der besten Websites des Jahres 2011 gekürt. In den USA ist Pinterest nach Facebook und Twitter das beliebteste Soziale Netzwerk (Quelle: Experian Hitwise) und laut dem Dienst Alexa liegt das Portal weltweit auf Rang 41 der meistbesuchten Homepages.
Das Pinterest Interesse im Ländervergleich
Im Ländervergleich liegt die USA mit 44.8% Besuchern an erster Stelle, gefolgt von Indien mit 7.4%. Deutschland liegt mit 2.9% im Mittelfeld. Für die Schweiz sind leider keine Zahlen ersichtlich (alexa.com). Google Insight for Search macht jedoch den steigenden Beliebtheitsgrad dieser Website in Europa deutlich (siehe Grafik). Es zeigt, dass die Europäer vorwiegend im Februar auf Pinterest aufmerksam wurden. Seither hat das Interesse zwar leicht abgenommen, hält sich aber auf einem stabilen Niveau. Die Schweiz liegt dabei sogar vor Frankreich und Deutschland.

Es scheint, dass nach dem Hype nun etwas Normalität bei Pinterest eingekehrt ist, denn die Wachstumszahlen aus Deutschland zeigen, dass die Besucherzahlen zwar stetig wachsen, nur langsamer.

Pinterest als vielversprechende Traffic-Quelle
Trotzdem haben laut Focus online Investoren wie Andreessen Horowitz und der japanische E-Commerce Riese Rakuten gerade 100 Millionen Dollar in Pinterest investiert. Es besteht also immernoch der Glaube, dass diese Plattform einen langfristigen Erfolg erzielen wird. Die ersten Ansätze als Traffic-Treiber für Online Händler haben bereits gute Ergebnisse geliefert. In einem Bericht von ComScore wird behauptet, dass Pinterest mehr Traffic zu Online-Händlern führt als Google+, YouTube, Reddit und LinkedIn zusammen. Eine Umfrage, die gemeinsam mit der Handels-Community shop.org und dem Beratungsunternehmen The Partnering Group durchgeführt wurde hat ergeben, dass Pinterest bei Onlinekäufern beliebter ist als Facebook und Twitter. Demnach folgen Teilnehmer im Schnitt 9.3 Händlern auf Pinterest, 8.5 auf Twitter, aber nur 6.9 auf Facebook.
Eine Case-Study der Online-Boutique Boticca kam vor 1.5 Monaten zu dem Ergebnis, dass Pinterest-Nutzer kauffreudiger seien als Facebook-User, da diese die Umsätze mehr antreiben und sogar mehr als doppelt so viel ausgeben würden wie Facebook-User. Diese Erkenntnisse bestätigt auch eine Infografik, die die Zahlen des E-Commerce Dienstleisters Shopify darstellt. Dies könnte daran liegen, dass eine grosse Anzahl der Pinterest Nutzer gebildete, berufstätige Frauen im Alter von 25-34 Jahren sind, die keine Kinder haben (alexa.com).
„Besonders Pinterest hat Händlern einen neuen Kanal gegeben, um auf alte und neue Kunden zu „hören“ und mit ihnen zu interagieren, indem sie mit Bildern ihrer Produkte und ihrem „Marken-Spirit“ eine fortlaufende visuelle Geschichte erzählen“, meint Shop.org-Geschäftsführerin Vicki Cantrell.
Im ersten Quartal von 2011 brachte Facebook Online-Händlern in den USA Traffic von 88%, während Pinterest nur 1% lieferte. Ein Jahr später war Pinterest schon für 26% Traffic verantwortlich, während von Facebook nur noch 60% Traffic kam. Eine enorme Steigerung wird erwartet und könnte Ende des Jahres bereits in einem Kopf-an-Kopf-Rennen resultieren. Dies stützt sich auf Zahlen des Softwareunternehmens Monetate, welches zusammen mit ihren Kunden wie Brookstone, Best Buy und Urban Outfitters einen Social Traffic Bericht erstellte.
Viele E-Commerce Firmen wie Amazon.com haben den Pinterest Button bereits bei jeder Produktseite integriert, so dass es für User ganz einfach ist jedes Produkt zu „pinnen“. CheetahMail® erkannte den viralen Wert von Pinterest frühzeitig und entwickelte eine neue Pinterest Funktion, mit der der „Pin it“-Button auch in Email-Kampagnen intergriert werden kann. User können daher sofort die per Email erhaltenen Produkte mit Freunden teilen – das Potential der Mund-zu-Mund-Propaganda wird ausgeschöpft. Die Pinterest-Mailings generierten zwischen Januar und März 2012 11% mehr Öffnungsraten und 25% höhere Klickraten als andere Email-Kampagnen von CheetahMail.
Pinterest und die Schweiz
Nun stellt sich die Frage wie viele der Schweizer Firmen bereits auf diesen vielversprechenden Zug aufgesprungen sind?
Bei einer Online-Recherche findet man relativ wenige Informationen über Pinterest Aktivitäten von Schweizer Firmen. Betrachtet man sich dies innerhalb Pinterest so wird schnell deutlich warum dies so ist. Die Suche nach Profilen von grossen Schweizer Firmen, wie Migros oder Nestlé ist ernüchternd. Es sind zwar Pins vorhanden, jedoch stammen diese von Privatpersonen. Vereinzelt wird man aber doch noch überrascht von Profilen, die originell und interessant gestaltet sind. Anhand von fünf Beispielen möchte ich nun meine Erkenntnisse mit Ihnen teilen:
[accordion]
[tab title=»1. Schweiz Tourismus» active=»true»]Schweiz Tourismus besitzt ein eigenes Profil auf Pinterest. Dieses beinhaltet immerhin 447 Pins und enthält elf interessante „Boards“ wie „Swiss cities“ und „Swissness“. Es wird aktiv an der Gestaltung gearbeitet, jedoch wurden viele der Pins von Schweiz Tourismus gerepinned, was zwar die Bilder in ihrem Profil erscheinen lässt, jedoch keinen Traffic zu myswitzerland.com liefert. Auch der „Pin it“ Button wurde noch nicht auf der eigenen Homepage integriert.[/tab]
[tab title=»2. Swatch»]Das Swatch-Profil ist sehr ansprechend, da es viele verschiedene „Boards“ gibt mit Themen wie „Vintage Swatch Adverts“ oder „How to wear your swatch“. Es gibt knapp 900 Pins mit originellen Bildern, die man gerne mit seinen Freunden teilt, da sie einen gewissen Lifestyle vermitteln. Alle Bilder kommen von der Plattform Statigr.am. Dabei handelt es sich um Bilder, die von Usern hochgeladen wurden und den Tag „Swatch“ enthalten. Swatch wird diese vermutlich um die Rechte bitten und veröffentlicht sie via der Foto-Plattform in ihrem Pinterest-Profil. Zu jedem Foto wird ein Link zu der Swatch-Website hinzugefügt. Wie vorher schon aufgezeigt ist es in den USA bereits ziemlich bedeutend Pinterest in seine Marketing-Strategie miteinzubinden, daher ist es für ein global tätiges Unternehmen, wie Swatch, essentiell, dieses Medium richtig zu nutzen.[/tab]
[tab title=»3. Swiss»]Auf der Suche nach Swiss Airlines stösst man auf ein Profil, das sich „Swiss US“ nennt. Die Qualität des Profils, vor allem des Logos, lässt vermuten, dass es sich hier nicht um die offizielle Seite von «Swiss» handelt. Sollte die Airline tatsächlich noch ein Pinterest-Profil erstellen, wird sie die Übernahme dieses Profils wohl kaum interessieren, da schon die Namensgebung relativ unpassend ist. Das Profil ist bisher nur spärlich bestückt und verweist hauptsächlich auf Bilder des Flickr-Accounts von «Swiss».[/tab]
[tab title=»4. Victorinox»]Es gibt bereits ein Profil namens „Victorinox by Swiss Army“. Dies hat sich jedoch eine gewitzte Person gesichert, wohl in der Hoffnung damit Geld zu machen. Daraus wird auch kein Geheimnis gemacht, denn die Kontaktdaten werden gleich mitgeliefert. Ein Pinterest-Profil würde Victorinox jedenfalls nicht schaden, da es bereits etliche tolle Pins zu dieser Marke gibt, d.h. das Interesse und die Markenverbundenheit sind definitiv vorhanden, es muss nur noch genutzt werden. Ob die Person des hier dargestellen Profils dann daran verdienen wird, ist jedoch zu bezweifeln.[/tab]
[tab title=»5. Freitag»]Gerade für einen Online-Store wie Freitag ihn hat, bietet Pinterest grosse Marketing-Potenziale. Laut einem Blogbeitrag auf namics.com kommen bis zu 0.06% der Nutzer ihrer Website von Pinterest. Dies löst zwar noch keine Euphorie aus, zeigt jedoch, dass Pinterest als Traffic-Kanal genutzt wird. Der Suchbegriff “Freitag bag“ weist eine Vielzahl von ansprechenden Pins aus, da diese beispielsweise in Trend-Blogs erscheinen oder viele Leute ihre Markenverbundenheit damit ausdrücken. Das Konzept, welches dahinter steht und der Lifestyle der Kunden, bieten tolle Möglichkeiten der visuellen Darstellung. Leider ist Freitag noch nicht auf diesen Zug aufgesprungen, obwohl die Verkaufstätigkeit in den USA dies vermuten lässt. Dabei könnte dies mit der Einbindung des „Pin it“-Buttons bei jedem Produkt so einfach umgesetzt werden, sodass User es noch einfacher haben, ihre Lieblingstasche auf Pinterest zu teilen. Der Blogeintrag weist darauf hin, dass dies zukünftig geschehen wird, daher sind wir gespannt, welche Ergebnisse sich dann bieten.[/tab]
[/accordion]
Diese Praxis-Beispiele haben gezeigt, dass Pinterest zwar teilweise genutzt wird, jedoch ein grosses Optimierungspotenzial vorhanden ist. Einzig und allein Swatch hat die Möglichkeiten genutzt und ein ansprechendes Marketing-Konzept umgesetzt. Natürlich stellt sich die Frage, ob man auf jeden Social Media-Zug aufspringen muss bzw. ob sich der Aufwand für den Nutzen lohnt. Solange die Nutzerzahlen jedoch so schnell in die Höhe schnellen, sollte man Pinterest sicher im Auge behalten. Die Bilder-Plattform ist auf dem Vormarsch und man könnte sich erkennbare First Mover-Vorteile sichern, sollte sich dieser Trend auch in der Schweiz durchsetzen.
Die Studie „Social Media Schweiz 2012“ des Bernet ZHAW zeigte, dass Schweizer Unternehmen Social Media nutzen, um externe Dialoge zu führen, das Image zu pflegen und über Produkte und Dienstleistungen zu informieren. Gerade Pinterest bietet eine Plattform, um diese Aspekte spannend zu gestalten und Kunden anzusprechen, denn Bilder sagen oft mehr als tausend Worte. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer fürchten einen Social Media-Trend zu verschlafen und so der Konkurrenz hinterherzuhinken. Könnte sich diese Befürchtung für manche daher schon bald bewahrheiten?
6 Comments